| DOI: | https://doi.org/10.37307/j.1868-7806.2024.03 |
| Lizenz: | ESV-Lizenz |
| ISSN: | 1868-7806 |
| Ausgabe / Jahr: | 3 / 2024 |
| Veröffentlicht: | 2024-09-30 |
Ausgehend von Heideggers Bezugnahme auf den „Ackermann“ in „Sein und Zeit“, befasst der Aufsatz sich mit dem Zusammenhang von Zeit, Erinnerung und Schrift bei Johannes von Tepl. In den Figuren des Ackermanns und des personifizierten Todes werden zwei diametrale Zeitpositionen gegeneinander gespielt: zeitliche Unendlichkeit versus eine augustinisches Denken aufnehmende Darstellung des Todes als Figuration der Zeit. Im Rahmen eines christlich fundierten, teleologischen Zeit- und Heilsverständnisses wird die Anerkennung des Todes als des Prinzips der Zeit dabei zur Voraussetzung kommemorialer Sprache und Schrift, in der die Verlusterfahrung bewältigt werden kann.
Nachgezeichnet werden transzendent rückgebundene Konturen des menschlichen Selbst, wie sie unter anderem Heinrich Seuse und Johannes Tauler in Traktaten und Predigten der nacheckhartischen Mystik umreißen. In den urbanisierten Gesellschaften des Spätmittelalters wird zwar eine entschieden christliche, aber standesunabhängige Thematisierung dieses Selbst möglich, die ganz im Zeichen von Reform und Erneuerung steht. Gefordert wird ein programmatischer ‚Abschied vom Ich‘, der das menschliche Selbst als Kategorie indes allererst hervortreibt. Ohne zu behaupten, dass hier eine Vorgeschichte moderner Subjektivität zu entdecken sei, rekonstruiere ich angeleitet durch die Frage nach Praktiken des Vergleichens eine Komplementärgeschichte, die einen gegenüber der Moderne und ihren Selbstbeschreibungen anders komplexen Zusammenhang ansichtig werden lässt.
In „Tanawäschel“ wird eine personifizierte Krankheit vor Gericht gestellt und wegen vielfachen Mordes zum Tode verurteilt. Ungewöhnlich ist aber nicht nur der Inhalt, sondern auch die Struktur des Spiels. Was als typisches fastnächtliches Gerichtsspiel ansetzt, wird unversehens mit Beichte, Absolution und Warnung vor dem unangekündigten Tode ins Geistliche überführt. Wie die anderen drei frühen Tiroler Fastnachtspiele auch irritiert „Tanawäschel“ als eine solche Montage und in seinem moralischen unversöhnlichen Spott die von Nürnberger Texten geprägten Gattungserwartungen.
Der Beitrag befasst sich mit der heldenepischen Erzählung „Der Wunderer“, die erstmals im „Dresdner Heldenbuch“ (15. Jh.) überliefert ist. Der Text enthält zahlreiche religiöse Elemente, die bislang für seine Deutung eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Demgegenüber wird hier argumentiert, dass insbesondere die Buße, die Dietrich von Bern auferlegt wird, eine wesentliche Veränderung gegenüber älteren heldenepischen Texten ist. „Der Wunderer“ lässt sich daher auch als Versuch der Integration von höfischem, heldenepischem und religiösem Erzählen beschreiben, wobei Dietrich von einer Heldenfigur zu einem Büßer gemacht wird.
Handschrift k überliefert eine Strophe in Konrads Morgenweise, die begleitet von zwei bereits in C unter Konrads Namen bezeugten Strophen steht (RSM 1KonrW/6/515a). Alle drei Strophen handeln von der milte. Schon Bartsch erachtete die unikal in k überlieferte Strophe, im Wesentlichen auf formale Kriterien gegründet, als alt. Im vorliegenden Beitrag wird die k-Strophe vor dem Hintergrund der insgesamt von Konrad überlieferten Strophen mit milte-Thematik sowie generell im Kontext des milte-Diskurses in der Sangspruchdichtung gelesen und gezeigt, dass Bartschs Annahme auch unter inhaltlichen Gesichtspunkten plausibel ist. Daraus sind grundsätzliche Folgerungen für den Umgang mit vergleichbaren Überlieferungsgegebenheiten zu ziehen, aber auch für einen zukünftigen Umgang mit Schröders Ausgabe der Lieddichtung Konrads. Der Beitrag versteht sich als (weiterer) Anstoß, einen differenzierteren Blick auf die Spätüberlieferung der mittelhochdeutschen Sangspruchdichtung einzunehmen.
Es ist eine fratzenhaft-schielende Gestalt mit Hörnern und Reißzähnen, die den Betrachter vom Buchdeckel aus ansieht und den Sammelband eröffnet: Das teuflische Tyrannenbild entspringt der Allegorie der schlechten Regierung des von Ambrogio Lorenzetti angefertigten Freskenzyklus „Allegoria ed effetti del Buono e del Cattivo governo“ (Palazzo Pubblico, Siena, 1338/1339).
Mit diesem Buch, in dem sich der Autor ausschließlich mit der im Titel genannten Streitschrift Luthers befasst, kann sich der Leser endlich ein konkretes Bild von den immer wieder gepriesenen „rhetorischen Qualitäten der lutherischen Schriften“ machen.
Bei der hier besprochenen Monographie handelt es sich um die 2021 an der Universität Wien verteidigte Doktorarbeit des Autors.
In kulturpessimistischen Schlagzeilen wird ihr oft der nahende Tod prophezeit, doch die Handschrift „lebt und ist gesund“ – zumindest, was ihre Verwendung in vielen unterschiedlichen Situationen und Kontexten des alltäglichen Lebens betrifft. Ihre Einbindung in – synchron orientierte – sprachwissenschaftliche Fragestellungen steht dazu in starkem Kontrast, denn hier „werden Handschriften systematisch ausgeklammert“.
Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine Trierer Dissertation, die unter der Betreuung von Claudine Moulin und Natalia Filatkina entstanden ist. Ausgangspunkt der Studie ist eine Loseblattsammlung von Texten des 17. Jahrhunderts mit unterschiedlicher Funktion, die im Luxemburger Stadtarchiv unter der Bezeichnung „Pieces des Comptes“ („Rechnungsbelege“, Bestand LU I 21) zusammengefasst werden.
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