Nachgezeichnet werden transzendent rückgebundene Konturen des menschlichen Selbst, wie sie unter anderem Heinrich Seuse und Johannes Tauler in Traktaten und Predigten der nacheckhartischen Mystik umreißen. In den urbanisierten Gesellschaften des Spätmittelalters wird zwar eine entschieden christliche, aber standesunabhängige Thematisierung dieses Selbst möglich, die ganz im Zeichen von Reform und Erneuerung steht. Gefordert wird ein programmatischer ‚Abschied vom Ich‘, der das menschliche Selbst als Kategorie indes allererst hervortreibt. Ohne zu behaupten, dass hier eine Vorgeschichte moderner Subjektivität zu entdecken sei, rekonstruiere ich angeleitet durch die Frage nach Praktiken des Vergleichens eine Komplementärgeschichte, die einen gegenüber der Moderne und ihren Selbstbeschreibungen anders komplexen Zusammenhang ansichtig werden lässt.
The article traces transcendent contours of the human self as outlined by Heinrich Seuse and Johannes Tauler, among others, in treatises and sermons within mysticism after Meister Eckhart. In the urbanised societies of the late Middle Ages, it became possible to thematise this self in a way which was decidedly Christian but independent of class and was completely in the spirit of reform and renewal. It calls for a programmatic ‘farewell to the self’, but first of all brings out the human self as a category. Without claiming that a prehistory of modern subjectivity is to be discovered here, I reconstruct a complementary history, guided by the question of comparative practices, which reveals a different contextual complexity compared to modernity and its self-descriptions.
| DOI: | https://doi.org/10.37307/j.1868-7806.2024.03.03 |
| Lizenz: | ESV-Lizenz |
| ISSN: | 1868-7806 |
| Ausgabe / Jahr: | 3 / 2024 |
| Veröffentlicht: | 2024-09-30 |
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