„Der Deutscheste der Deutschen“ sei der Dichter Friedrich Hölderlin, schreibt Martin Heidegger im Jahr 1934. Gelesen, rezitiert und kultiviert als der Dichter frommer Innerlichkeit war Hölderlin der Poet der deutschen Niederlage: Stalingrad markierte den Gipfel seines Ruhmes. Die weltabgewandte Versenkung in Hölderlin-Verse half, einem verbrecherischen Krieg die „Aura von Größe und Tragik“ (7) zu verleihen. Hölderlin als falsche Therapie, im Dienst von Gewalt und Vernichtung: Dies ist die Katastrophe, deren literarischen und philosophischen Auswirkungen Robert Savage in seinem hervorragenden Buch über „Hölderlin nach der Katastrophe“ nachgeht. Mit einem bestechenden Gespür für Probleme von Form und Darstellung orientieren sich die drei Kapitel an spezifischen Verfahrensarten der philosophisch-ästhetischen Hölderlin-Rezeption: ‚Gespräch‘ (Heidegger), ‚Polemik‘ (Adorno) und ‚Zitat‘ (Brecht). Ergänzt werden diese gründlichen Analysen durch kurze aufschlussreiche Hinweise auf Texte von Eich, Celan, Pierre Bertaux, Martin Walser, D. E. Sattler, Stephan Hermlin, Peter Weiss und Rainald Goetz. Dabei geht es stets um mehr als bloße Rezeptionsgeschichte. Savage brilliert mit klugen und theoretisch fundierten Lektüren, die einen unverzichtbaren Beitrag zu westdeutscher Literatur- und Geistesgeschichte nach 1945 liefern.
| DOI: | https://doi.org/10.37307/j.1868-7806.2012.02.08 |
| Lizenz: | ESV-Lizenz |
| ISSN: | 1868-7806 |
| Ausgabe / Jahr: | 2 / 2012 |
| Veröffentlicht: | 2012-06-26 |
Um Ihnen ein optimales Webseitenerlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Mit dem Klick auf „Alle akzeptieren“ stimmen Sie der Verwendung von allen Cookies zu. Für detaillierte Informationen über die Nutzung und Verwaltung von Cookies klicken Sie bitte auf „Anpassen“. Mit dem Klick auf „Cookies ablehnen“ untersagen Sie die Verwendung von zustimmungspflichtigen Cookies. Sie haben die Möglichkeit, Ihre Einstellungen jederzeit individuell anzupassen. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
