Heinrich von Hesler begegnet in seiner „Apokalypse“ der Herausforderung, gleichzeitig ein Äquivalent zur biblischen Vorlage und eine kommentierende Auslegung herzustellen. Beides kreist wesentlich um die Beanspruchung der Wahrheit, für die der Text aufwendige Beglaubigungsstrategien bis hin zu einem die Textgestalt wahrenden Tradierungsauftrag etabliert, um so weit wie möglich zur göttlich geoffenbarten Vorlage aufzurücken. Da die Lücke zur berufenen, prophetischen Autorschaft des Johannes jedoch nicht gänzlich zu schließen ist, entfaltet der Text sein eigentliches Potential: Die Autor- und Erzählinstanz findet zu einem eigenen Sprechmodus und unterwirft ihrerseits die Vorlage der eigenen Gestaltung. All diese Praktiken, Strategien und Eingriffe erfahren im mehrteiligen Prolog sowie an weiteren Stellen ausgiebige, gleichsam einzigartige Reflexionen, in denen die translatio veritatis nachvollziehbar gemacht wird.
In his “Apocalypse”, Heinrich von Hesler meets the challenge of creating an equivalent to the biblical text and providing a commentary on it. Both focus on the claim to truth, for which the text establishes elaborate authentication strategies, including a tradition which preserves the form of the text in order to align it as closely as possible with the divinely revealed original. However, as the gap to the authorised, prophetic authorship of St. John cannot be completely bridged, the text reveals its true potential: the authorial and narrative instance finds its own voice and subjects the original text to its own interpretation. All these practices, strategies and interventions give rise to detailed, perhaps unique, reflections both in the multi-part prologue and at other points, which make the translatio Veritatis comprehensible.
| Lizenz: | ESV-Lizenz |
| ISSN: | 1868-7806 |
| Ausgabe / Jahr: | 3 / 2026 |
| Veröffentlicht: | 2026-09-22 |
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