Juliane Vogels neueste Monographie liest das Drama ausgehend von einer gleichermaßen zentralen wie bisher kaum beleuchteten Operation: dem Auftritt. Sie nimmt dazu dezidiert einen Blickwinkel ein, der jenseits einer von Aristoteles geerbten Perspektive auf das Theater liegt. Dass dessen Poetik nämlich die Konzeption des Dramas um die Frage des Mythos hatte gravitieren lassen, ist für die Geschichte des Theaters auf mehr als nur eine Weise prägend geworden: Sein Entwurf des Bühnengeschehens als Nachahmung einer in sich geschlossenen Handlung, die den Charakteren vor allem die Rolle vorschreibt, eben diese Handlung voranzutreiben, hat nicht nur Poetik und Praxis des Theaters, sondern auch die Perspektiven der Forschung maßgeblich gelenkt. Ein solcher Fokus ist in vielerlei Hinsicht erhellend, hat aber möglicherweise auch dazu beigetragen, dass nur wenig in den Blick geraten ist, was doch so offen zutage und dabei jenen Ver- und Entwicklungen der Handlung konstitutiv vorausliegt. Und so hat der Auftritt, auch wenn er immer wieder mal Erwähnung gefunden und Anlass zu unterschiedlichen Einzeluntersuchungen gegeben hat, in seiner vermeintlichen Selbstverständlichkeit im toten Winkel aristotelischer Analysekategorien ein eher randständiges Dasein in der Forschung gefristet.
| DOI: | https://doi.org/10.37307/j.1868-7806.2019.02.08 |
| Lizenz: | ESV-Lizenz |
| ISSN: | 1868-7806 |
| Ausgabe / Jahr: | 2 / 2019 |
| Veröffentlicht: | 2019-06-17 |
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