Das Mühsame wird gerne aufgeschoben, und so liegt erst jetzt mit Irmgard Scheitlers Habilitationsschrift „Gattung und Geschlecht“ eine um Vollständigkeit bemühte Studie vor, die die Reiseliteratur von Frauen für die quantitativ wohl bedeutungsvollste Periode in der Geschichte des Reiseberichts erschließt. Der Titel ihrer Arbeit ist dabei durchaus programmatisch. Von den alternativen Zugangsmöglichkeiten, mit denen Reisebeschreibungen untersucht werden können, wählt die Autorin einen sozialhistorisch unterfütterten literaturwissenschaftlichen, mithin gattungsorientierten Ansatz. Sie betrachtet 87 Reisebeschreibungen (vgl. S. 48) von deutschsprachigen Frauen (nicht „deutscher Frauen“, wie der Untertitel unglücklich behauptet), die als Buch oder Aufsatz seit 1780 – d.h. vom Beginn ihres Auftretens auf dem Buchmarkt – bis ins Jahr 1850 publiziert wurden. Ihr Untersuchungsraster ist dabei ein doppeltes: Einmal sucht sie nach „den sprachlichen und kompositorischen Konventionen“ (S. 2) der Gattung generell, um so eine „Poetik“ (ebd.) bzw. eine „‚Grammatik‘ der Reisebeschreibung“ (S. 4) für den Beobachtungszeitraum zu gewinnen. Zum anderen fahndet sie nach einem „ausschließlich für Texte aus weiblicher Hand geltende[n] Regelsystem“ (S. 21), das jene beständig überlagern soll.
| DOI: | https://doi.org/10.37307/j.1868-7806.2000.04.11 |
| Lizenz: | ESV-Lizenz |
| ISSN: | 1868-7806 |
| Ausgabe / Jahr: | 4 / 2000 |
| Veröffentlicht: | 2000-10-01 |
Seiten 618 - 623
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