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Dokument Franz Xaver Ries, Zeitkritik bei Joseph von Eichendorff (Schriften zur Literaturwissenschaft. Im Auftrag der Görres-Gesellschaft, Band 11). Duncker & Humblot, Berlin 1997.
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Franz Xaver Ries, Zeitkritik bei Joseph von Eichendorff (Schriften zur Literaturwissenschaft. Im Auftrag der Görres-Gesellschaft, Band 11). Duncker & Humblot, Berlin 1997.

  • Alfred Riemen

In den Schlußbemerkungen schreibt Ries, Eichendorff lehne „die obsoleten Strukturen des reaktionären juste milieu mit Nachdruck ab“, er verdiene also nicht die Etikettierung „als strammer Konservativer“. (S. 276) Diese Erkenntnis ist nicht neu, und auch die beiden grundsätzlichen Bedingungen, die Eichendorff für jede abendländische Gesellschaft als Existenzgrundlage aufstellt, nämlich ihre Bindung an die christliche Offenbarung und ihre Leitung durch eine Elite (S. 276f.), sind schon oft von der Forschung genannt worden. Trotzdem ist das Buch deshalb nicht überflüssig. So intensiv wie hier ist die Entwicklung der politischen und gesellschaftlichen Ansichten des Dichters, beginnend mit dem Roman „Ahnung und Gegenwart“ und endend mit den Stellungnahmen zur Revolution von 1848, noch nicht dargestellt worden. Außerdem befolgt der Verfasser ein interdisziplinäres Verfahren, indem er Werke der politischen Geschichte und Theorie, der Soziologie, der Sozial-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte zur Erhellung der Zeitumstände und damit der Positionen Eichendorffs hinzuzieht. (S. 12) Manchmal gewinnt man bei der Lektüre den Eindruck, daß diese allgemeinen Darstellungen, die als Basis für das Verständnis der Eichendorffschen Position dienen sollen, sich über kurze Zeit verselbständigen. Der Verfasser stützt sich vor allem auf jüngere Werke dieser ,Basiswissenschaften‘, aber er benutzt auch Darstellungen zum politischen und gesellschaftlichen Leben, die in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts entstanden sind; Schriftsteller der Romantik und für die zwanziger bis vierziger Jahre des Jungen Deutschland und des Vormärz vervollständigen oder kontrastieren das, was er zu Eichendorff herausfindet. Die zahlreichen Hinweise in den Fußnoten lassen erkennen, wie intensiv er solche ergänzende und erläuternde Literatur benutzt hat, und trotz der Fülle muß man ihm zugestehen, daß er Eichendorffs Ansichten immer im Auge behält und darzustellen weiß.

DOI: https://doi.org/10.37307/j.1868-7806.1998.02.15
Lizenz: ESV-Lizenz
ISSN: 1868-7806
Ausgabe / Jahr: 2 / 1998
Veröffentlicht: 1998-07-01

Seiten 304 - 308


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