Michel Beheims „Buch von den Wienern“ schildert den Konflikt zwischen Kaiser Friedrich III. und Herzog Albrecht VI. um die Vorherrschaft in Österreich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und war deshalb in der bisherigen Forschung vor allem als historische Quelle präsent. Als Anhänger Friedrichs ist Beheim aber nicht neutral; seine Rhetorik zeichnet sich durch einen auffällig scharfen Ton gegenüber den Wienern und den Anhängern Albrechts aus. Dieser Beitrag untersucht, wie die Inszenierung invektiven Sprechens innerhalb des Textes funktionalisiert wird, um seine eigene Relevanz zu konstruieren. Dies geschieht vor allem in denjenigen Szenen, in denen Rezeptionsszenarien für seine Schelte entworfen und Reaktionen auf sie erzählt werden. Rezeptionsspuren in der Überlieferung und das abrupte Ende des Texts werfen die Frage auf, wie sich die faktische Relevanz des Texts zu dieser Form von inszenierter Relevanz verhält. Dadurch erweist sich der Text gleichzeitig als aufgeblähte Gelegenheitsdichtung, deren Wirksamkeit durch den außerliterarischen Rahmen limitiert ist, und als Reflexion über Möglichkeiten und Wirkung von Polemik.
Michel Beheim’s “Buch von den Wienern” (‘Book of the Viennese’) describes the struggle for pre-eminence in Austria between Emperor Frederick III and Duke Albrecht VI in the second half of the 15th century. In previous research the book has been used primarily as a historical source. However, as a supporter of Frederick, Beheim is not neutral; his rhetoric is characterised by a strikingly harsh tone towards the Viennese and Albrecht’s supporters. This article examines how the text uses invective to create its own relevance. This occurs primarily in those scenes which construct scenarios describing how the rebuke is received and recounting reactions to it. Traces of the reception of the text to be found in its historical transmission together with the abrupt end of the text raise the question of how its actual relevance relates to this form of staged relevance. From this point of view, the text proves to be both inflated occasional poetry, whose effectiveness is limited by its extra- literary context, and also a reflection on the possibilities and effects of polemics.
| DOI: | https://doi.org/10.37307/j.1868-7806.2026.01.07 |
| Lizenz: | ESV-Lizenz |
| ISSN: | 1868-7806 |
| Ausgabe / Jahr: | 1 / 2026 |
| Veröffentlicht: | 2026-04-17 |
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