Alexanders Begegnung mit Candacis bildet ein beliebtes Motiv in den transkulturell wirksamen Erzählungen um Alexander den Großen. Im Vordergrund steht hier ein Bildnis am Hof der fremden Herrscherin, das mit der Enttarnung des verkleideten Alexander nicht nur seine erste Niederlage mitsamt zwischenzeitlicher Gefangennahme herbeiführt, sondern darüber hinaus zentrale machtpolitische, kulturelle und identitäre Aushandlungsprozesse auslöst. Der folgende Beitrag richtet den Blick auf die Funktions- und Wirkweisen der Dinglichkeit in Bezug auf die Festschreibung und Dynamisierung von Grenzbildungen und Alteritätskonstruktionen in der Candacisepisode in zwei Alexandertexten aus dem Deutschen und Persischen um 1200. Aus postkolonialer wie materialitätstheoretischer Perspektive frage ich nach den wechselhaften und mehrdimensionalen Verhandlungen von Identität und Alterität, die durch verschiedene Gabenprozesse eingeleitet werden und in Candacis’ Konfrontation Alexanders mit seinem eigenen Bildnis kulminieren. Zur Diskussion stehen dabei einerseits die Korrelation zwischen fremden Dingen und peripheren Räumen, andererseits die Austauschprozesse zwischen Dinglichkeit, Alterität und Gender.
Alexander’s encounter with Queen Candace is a popular motif in the transculturally influential stories about Alexander the Great. Here, it is a portrait that not only helps to unmask Alexander’s disguise, thus bringing about his first defeat and temporary capture; it also forms a crucial part in the formation and negotiation of identity and alterity. As such, the article highlights the normative as well as the more dynamic effects of thingness in the process of establishing and unsettling cultural and political boundaries in the first complete German and Persian Alexander texts from around 1200. From a postcolonial and materiality based perspective, I examine modes of cultural negotation in various gift-giving processes that culminate in the ultimate gift of the portrait that reinforces but also exceedingly blurs the boundaries between the self and the other. The comparative reading thus explores literary intersections of thingness, otherness, and gender, while also questioning underlying assumptions on the correlation of othered things and peripheral spaces.
| DOI: | https://doi.org/10.37307/j.1868-7806.2026.01.04 |
| Lizenz: | ESV-Lizenz |
| ISSN: | 1868-7806 |
| Ausgabe / Jahr: | 1 / 2026 |
| Veröffentlicht: | 2026-04-17 |
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