Auch zwanzig Jahre nach dem Erscheinen von Stephan Elspaß’ „Sprachgeschichte von unten“ reist das Interesse an der Alltagsschriftlichkeit ungeübter Schreiberinnen und Schreiber des (Mittel-)Neuhochdeutschen nicht ab. Während sich der Fokus bisheriger Studien vor allem auf Privatbriefe richtete, die unter außergewöhnlichen Lebensumständen (z. B. Auswanderung, Krieg, Krankenhausaufenthalt) entstanden sind und von unterschiedlichen, biographisch oft kaum greifbaren Personen verfasst wurden, widmet sich die hier zu besprechende Jenaer Dissertation von Anja Stehfest den Briefen einer einzigen Schreiberin, Christiana von Goethe (geb. Vulpius), die als Lebensgefährtin (ab 1788) und spätere Ehefrau Johann Wolfgang von Goethes (ab 1806) Bekanntheit erlangt hat. Trotz ihrer Sonderstellung an der Seite des berühmten Dichters war Christiana eine Schreiberin ‚wider Willen‘: Der Tochter eines in finanzielle Not geratenen Vaters standen nur begrenzte Möglichkeiten offen, um ausgeprägte Schneidfähigkeiten zu entwickeln; ihre Briefe zeigen erhebliche, z. T. sprechsprachlich und dialektal bedingte Abweichungen von den orthographischen Konventionen ihrer Zeit. Zur Feder griff Christiana nur dann, wenn es die äußeren Umstände erforderten. Angesichts dieser Schreibbedingungen fügt sich die Untersuchung deutlich in das Paradigma der „Sprachgeschichte von unten“ ein.
| Lizenz: | ESV-Lizenz |
| ISSN: | 1868-7806 |
| Ausgabe / Jahr: | 1 / 2026 |
| Veröffentlicht: | 2026-04-17 |
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