Das ‚lyrische Wir‘ hat in den letzten Jahren in der englischen Philologie vermehrt Aufmerksamkeit gefunden, weil es Ein- und Ausschlussverfahren literarisiert, die in einer zunehmend gespaltenen Gesellschaft relevant erscheinen. Bereits in der kaiserzeitlichen Lyrik lässt sich die Relevanz des soziativen Plurals beobachten, der jedoch völlig unterschiedlich ausgestaltet ist: Während Stefan George in seiner Lyrik Formen des ‚lyrischen Wir‘, die auf einen ‚ästhetischen Imperialismus‘ hinauslaufen, etabliert, kann Rilke durch den Dialog mit der Antike ein ‚lyrisches Wir‘ evozieren, das selbst im Pluralis maiestatis nicht dekretierend wirkt, sondern historische und anthropologische Tiefendimensionen freilegt und damit die subjekthaften Möglichkeiten des lyrischen Sprechens für die eigene Gegenwart poetologisch reflektiert.
Das ‚lyrische Wir‘ hat in den letzten Jahren in der englischen Philologie vermehrt Aufmerksamkeit gefunden, weil es Ein- und Ausschlussverfahren literarisiert, die in einer zunehmend gespaltenen Gesellschaft relevant erscheinen. Bereits in der kaiserzeitlichen Lyrik lässt sich die Relevanz des soziativen Plurals beobachten, der jedoch völlig unterschiedlich ausgestaltet ist: Während Stefan George in seiner Lyrik Formen des ‚lyrischen Wir‘, die auf einen ‚ästhetischen Imperialismus‘ hinauslaufen, etabliert, kann Rilke durch den Dialog mit der Antike ein ‚lyrisches Wir‘ evozieren, das selbst im Pluralis maiestatis nicht dekretierend wirkt, sondern historische und anthropologische Tiefendimensionen freilegt und damit die subjekthaften Möglichkeiten des lyrischen Sprechens für die eigene Gegenwart poetologisch reflektiert.
| DOI: | https://doi.org/10.37307/j.1868-7806.2025.04.03 |
| Lizenz: | ESV-Lizenz |
| ISSN: | 1868-7806 |
| Ausgabe / Jahr: | 4 / 2025 |
| Veröffentlicht: | 2025-12-15 |
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