„Die Ewigkeit“
Paul Celans zweites ,Cerveteri-Gedicht‘
Paul Celans Besuch der etruskischen Nekropole von Cerveteri während eines Rom- Aufenthalts im Jahr 1964 findet einen (zweiten) Widerhall in dem drei Jahre später entstandenen Gedicht „Die Ewigkeit“, das den Gedanken an Cerveteri mit der Vorstellung der Vernichtungslager überblendet und zum Erlöschen bringt. Die (selbst-) zerstörerische Radikalität dieses Gedichts zeigt ein Vergleich mit dem Prolog von Giorgio Bassanis Roman „Il giardino dei Finzi-Contini“ (1962), in dem die Besichtigung der Nekropole durch den Erzähler mit der lebensgeschichtlichen Erinnerung an Opfer der Shoah verbunden wird. Während bei Bassani die etruskischen Gräber zu einem zeitenthobenen Raum werden, der Bilder des gelebten Daseins einschließt, vollzieht sich in Celans Sprache ein Auflösen von Erinnerungsresten ins Amorphe.
Paul Celan’s visit to the Etruscan necropolis of Cerveteri during his stay in Rome in 1964 finds a (second) echo in the poem “Die Ewigkeit” (Eternity), which was written three years later. This poem first combines the memory of Cerveteri with the idea of the concentration camps and then extinguishes it. A comparison with the prologue of Giorgio Bassani’s 1962 novel “Il giardino dei Finzi-Contini” (The Garden of the Finzi-Continis) shows the self-destructive radicalism of this poem, in which the narrator’s visit to the necropolis is linked to his memories of victims of the Holocaust. While in Bassani’s work the Etruscan tombs become a timeless space which encompasses images of lived existence, in Celan’s language, memories dissolve and become amorphous.
| DOI: | https://doi.org/10.37307/j.1868-7806.2026.02.06 |
| Lizenz: | ESV-Lizenz |
| ISSN: | 1868-7806 |
| Ausgabe / Jahr: | 2 / 2026 |
| Veröffentlicht: | 2026-06-18 |